1915-06-13-DE-011-V

DuA Dok. 080 (re. gk.)

Der Vizekonsul in Mossul (Holstein) an die Botschaft in Konstantinopel

Nr. 3

Mossul, den 13. Juni 1915.

Im Anschluß an mein Telegramm vom 10. Juni.

Die Niedermetzelung der Armenier im Wilajet Diarbekr wird hier von Tag zu Tag mehr bekannt und erzeugt zunehmende Unruhe unter der Bevölkerung, die bei der unverständigen Gewissenlosigkeit und der Schwäche der hiesigen Regierung leicht unabsehbare Folgen haben kann. In den Bezirken von Mardin und Amadia haben sich die Zustände zu einer wahren Christenverfolgung ausgewachsen. Daran trägt zweifellos die Regierung die Schuld; Christen sind auch zweifellos hier beinahe vogelfrei; von vielen Fällen sei genannt daß der hiesige alte und würdige chadäische Patriarch heute - ich war gerade bei ihm - von einem gewöhnlichen Polizisten mündlich ohne Grundangabe vor das Kriegsgericht citiert wurde. Das ist seitens der Regierung eine kindische Provokation der hiesigen Christenheit.

Eine Regierung wie die hiesige, deren Beamte öffentlich mit den gemeinsten Frauenzimmern verkehren und für die Dirnenwünsche ihre Amtstätigkeit beeinflussen, sollte nicht gerade jetzt so provozieren.

Wir werden bald überall den hellsten Aufruhr haben, wenn die Zentralregierung ihr Programm der Christenverfolgung nicht ändert. Die Armeniermassakres müssen unbedingt verhindert werden [aufhören].


Holstein.

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