1918-05-23-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R14100
Zentraljournal: 1918-A-21877
Erste Internetveröffentlichung: 2000 März
Edition: Kaukasus Kampagne
Telegramm-Abgang: 05/23/1918 07:00 PM
Telegramm-Ankunft: 05/24/1918 03:45 AM
Praesentatsdatum: 05/24/1918 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 782
Zustand: A
Letzte Änderung: 04/15/2012


Der Botschafter in Konstantinopel (Bernstorff) an das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht



Nr. 782
Konstantinopel, den 23. Mai 1918

General von Lossow drahtet: Armenische Vertreter in transkaukasischer Delegation, die gleichzeitig als Minister der Regierung angehören, sowie Deputation armenischer Vertrauensmänner hatten mehrfach Besprechungen mit mir. Armenier erwarten in ihrer verzweifelten Lage Rettung und Hilfe von Deutschland. Sie geben zu, daß sie vor dem Kriege politisch nach Rußland und England orientiert waren. Daraus könne man ihnen keinen Vorwurf machen. Sie erklären feierlich, daß, wenn ihnen heute Rettung von Deutschland käme, sie für alle Zeiten an Deutschland festhalten würden. Wir sind in der Lage, die Propaganda, die in der Welt wegen der armenischen Frage gegen uns gemacht wird, mit einem Schlage stumm zu machen.

Wie ich dauernd melde, ist das Ziel der türkischen Politik dauernde Besitznahme der armenischen Distrikte und Ausrottung der Armenier. Alle gegenteiligen Versicherungen Talaats und Envers sind gelogen. Die extreme armenierfeindliche Richtung hat in Konstantinopel die Oberhand gewonnen. Türkischer Plan liegt heute klar vor mir: den mohammedanischen Bezirk von Achalzich glauben sie sicher zu bekommen, den völlig armenischen Bezirk von Achalkalaki suchen sie unter Verschleierung der Tatsachen als Bezirk Achalzich gehörig hinzustellen. Die Stadt Alexandropol haben sie besetzt. Die Bahnstrecke nach Djülfa einschließlich eines Geländestreifens 25 Kilometer östlich der Bahn wollen sie okkupieren, um ihn nie wieder zurückzugeben.

Annexion der Gouvernements Elisabethpol und Baku durch Türken mit Einverständnis tartarischer Bevölkerung bewirkt, zugleich Vorgehen auf Baku, um dortige Bolschewiki zu vertreiben und sich dort festzusetzen. Türkische Truppen auf Front südlich Achalkal im Vorrücken gegen Tiflis und Eriwan. Kurdische und tartarische Freiwillige, die Armee begleiten, rauben und morden in armenischen Ortschaften. Alle Männer werden abgeführt. Armenische Truppen weichen nach Osten aus, um Konflikte zu vermeiden. Armenische Bevölkerung flieht nach Osten, muß alsbald auf Tartaren stoßen, was zu Massakres führen muß. Türkische Politik deutet darauf hin, unter Vermeidung von Ultimatum bezüglich des Territorial-Besitzes fait accompli zu schaffen. Für armenische Bevölkerung bleibt kein Platz, auf dem sie leben kann. Dies muß zu Guerillakrieg ...1 der Transport und Nachschub auf Linie Alexandropol Djulfa, der in unserem Interesse liegt, unmöglich machen wird. Ich vermute, daß dies in türkischer Absicht liegt. Bevollmächtigter Delegation armenischen Nationalrats erbittet durch Leishman Schutz Deutschlands gegen völlige Vernichtung armenischen Volkes, bittet Rest armenischen Territoriums unter deutsches Protektorat zu nehmen. Offizielles Schriftstück hierfür in meiner Hand. Sofortiger ständigster Druck auf Türkei notwendig, wenn die Ausrottung der Armenier verhindert werden soll. Erbitte baldigst deutsches Kriegsschiff, da ein Bataillon nach Poti und Instruktionen betreffend Stellungnahme gegenüber offizieller armenischer Erörterung. Sofortige Aktion ist nötig.


Bernstorff

1 Gruppe fehlt.



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