1913-11-28-DE-002
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Quelle: DE/PA-AA/R14082
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


"Retsch"





3 Anlagen.

Pera, den 28. November 1913

Euerer Exzellenz beehre ich mich beifolgend einen an mich gerichteten Bericht des Vizekonsuls Anders vorzulegen, betreffend Rußland und Armenien, die französischen Bahnkonzessionen und Pläne betr. Erzerum.

Wangenheim
Pera, den 28. November 1913

Euerer Exzellenz beehre ich mich beifolgend einen an mich gerichteten Bericht des Vizekonsuls Anders vorzulegen, betreffend Rußland und Armenien, die französischen Bahnkonzessionen und Pläne betr. Erzerum.

Wangenheim
Anlage 1

J.No. 74.

Erserum, den 14. November 1913.

Die Petersburger Zeitung "Retsch" bringt am 24. d. M. einen in Uebersetzung beigefügten die russische Auffassung über die Zukunft von Türkisch-Armenien grell beleuchtenden Artikel, in dem ganz unverblümt das Wort: "Sämtliche 6 ostanatolischen Vilajets fallen in das Gebiet der russischen Interessensphäre" ausgesprochen wird.

Inzwischen ist auch hier bekannt geworden, daß in die französischen Abmachungen nur die Bahn Erzinghian-Pekeridj fällt und die hiesigen Türken sehen mit unheimlicher Scharfsicht eine russische Bahn Pekeridj-Erserum-Kars am Horizont auftauchen.

Wie ich höre, hat der zur Zeit in Wan weilende Militärkommissar der türkisch-persischen Grenze, Ahmed Pascha, in diesen Sommermonaten einen Entwurf zu neuen Befestigungen von Erserum ausgearbeitet. Um das deutsche Prestige in diesen Provinzen hochzuhalten und um den Türken Zutrauen in die deutsche Unterstützung bei Aufrechterhaltung ihres asiatischen Besitzstandes einzuflößen, würde die Entsendung eines Mitgliedes der neuen deutschen Militärkommission nach Erserum als ein weithin sichtbares Zeichen deutscher Willensmeinung von den Türken mit brausenden Beifall aufgenommen werden.


Anders
Anlage 2

[Der Retsch-Artikel im russischen Original]

Anlage 3


"Retsch", St. Petersburg, den 24. Oktober 1913.

Die Auslassungen des Herrn Sassanoff und seine Besprechungen mit den Diplomaten in Paris und Berlin haben von neuem an eine Frage unserer Politik im nahen Orient erinnert, nur nicht mit so viel Getöse wie die Fragen des [unleserlich] -Gleichgewichts, aber von nicht geringerer Bedeutung als diese für Russland. Wir sprechen von der armenischen Frage. Gerade in dieser Frage hat unsere Diplomatie eine entschlossene Haltung angenommen und gezeigt, daß sie das Türkische Armenien als in die Sphäre ihrer Interessen fallend ansieht. Noch am Anfang dieses Sommers hatte die russische Regierung ein derartiges Reformproject ausgearbeitet, wie es am meisten den Erfordernissen der armenischen Bevölkerung der 6 östlichen Vilajets in Kleinasien entsprach. Alle diese Vilajets, welche künstlich mit dem Zweck zusammengesetzt sind, überall die türkische Bevölkerung als überwiegend erscheinen zu lassen, sollten in ein armenisches Gebiet zusammengefaßt werden unter einem christlichen Generalgouverneur, der von der Türkei mit Einwilligung der Großmächte zu ernennen sei. Alle Beamte des Gebiets sollten durch den Generalgouverneur ernannt und ersetzt werden, was mit völliger Unabhängigkeit von Constantinopel gleichbedeutend gewesen wäre. Der Verwaltungsrat soll zu gleichen Teilen aus Muse lmanen und Christen bestehen. Schließlich sollten die Mächte eine wirkliche Kontrolle nach dem Muster von Macedonien erhalten.

Es versteht sich von selbst, daß dieses Projekt heftigen Widerstand von Seiten der Pforte fand. Zum Nachgeben gezwungen suchte sie dennoch die armenischen Reformen dem all

[mehrere Absätze unleserlich]

Aber auch in Armenien erscheint Rußland nicht nur als Verfechter der eigenen sondern auch der europäischen Interessen. Nach dem Entgegenkommen, daß wir den Deutschen gezeigt haben, scheinen die Gerüchte von einem neuen Wandel in Berlin seltsam. Wir wollen nur hoffen, daß man diesmal vorsichtiger als bei der Potsdamer Entrevue vorgegangen ist.



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