1913-06-07-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R 14079
Zentraljournal: 1913--
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 06/07/1913
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: J.Nr. 8138
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Staatssekretär des Auswärtigen Amts (Jagow) an die Botschafter in London, Konstantinopel, Wien und Rom

Telegraphischer Erlaß


Berlin, den 7. Juni 1913

1. [An Botschaft ] London

Nr. 326.

Im Anschluß an Tel. Nr. 324.

Baron Wangenheim telegraphiert:

"Großwesir sagte mir, er habe wegen Anregung der armenischen Frage durch uns mit verschiedenen Freunden gesprochen. Letztere hätten übereinstimmend die Meinung geäußert, daß Deutschland sich von den Mohammedanern ab und den Armeniern zuwende, worauf auch schon der Flottenbesuch in Mersina und Alexandrette hingedeutet hätte. Er persönlich wisse ja, daß es uns nur darauf ankommen, die Armenier nicht ganz unter russischen Einfluß fallen zu lassen. Die Feinheit einer solchen Politik könne er aber kaum einem Kollegen, geschweige denn dem Volk verständlich machen. Ihm schiene es mehr im deutschen und türkischen Interesse zu liegen, wenn die Frage von türkenfeindlicher Seite angeschnitten würde. In einem solchen Falle würde er sofort durch amtliche Kundgebung darauf hinweisen können, daß die armenischen Schwierigkeiten lediglich durch die Weigerung Rußlands hervorgerufen seien, Straßen und Eisenbahnen in den bedrohten Gebieten bauen zu lassen. Zu einer deutschen Initiative müsse die Türkei schweigen. Welche Wirkung unser Vorgehen auf die Armenier ausüben werde, brauche er mir nicht zu sagen."

Unter diesen Umständen bitte von Anregung der Frage auf Konferenz absehen, da wir wegen unserer vielfachen Interessen in der Türkei auf deren Wohlwollen angewiesen sind. Sollte Frage von anderer, d.h. Tripleentente-Seite angeregt werden, bitte zu erklären, daß armenische Reformen Mitwirkung aller Großmächte erfordern. Bitte ferner Sir Edward Grey vertraulich sagen, daß wir von Anregung armenischer Reformfrage auf dringende Warnung des Ks. Botschafters in Constantinopel Abstand nähmen, der von solcher Anregung eine Ermutigung der Armenier zu erneuter Agitation und Verschlechterung der Zustände in Armenien, wo jetzt relative Ruhe herrsche, befürchtet. Sollte aber Anregung der Reformfrage von anderer Seite nicht zu vermeiden sein, so müßten wir selbstverständlich Teilnahme an Beratungen und Beschlüssen verlangen.

2. [An Botschaft] Constantinopel

Nr. 178.

Auf Tel. Nr. 3021.

Bitte Großwesir folgendes sagen: Obwohl wir glaubten, daß eine von uns ausgehende Anregung der armenischen Reformfrage für Türkei nur vorteilhaft gewesen wäre, wollten wir doch davon Abstand nehmen, um Wünschen des Großwesirs zu entsprechen.

3. [An Botschaft] Wien

Nr. 233.

4. [An Botschaft] Rom.

Nr. 196.

Hatte Großwesir vertraulich und freundschaftlich wegen unsrer Absicht armenische Reformfrage anzuregen sondieren lassen. Letztere ist sehr dagegen und würde sogar vorziehen, wenn Frage von türkenfeindlicher Seite angeschnitten würde. Habe daher Ks. Botschafter in London angewiesen von Anregung dieser Frage auf Konferenz Abstand zu nehmen und, falls dieselbe von anderer Seite erfolgt, zu erklären, daß selbstverständlich alle Großmächte an Beratungen und Beschlüssen über Reformen beteiligt sein müssen. Hoffe, daß (ad 3) Graf Berchtold (ad 4) Mqs. San Guiliano hiermit einverstanden und Botschafter in London entsprechende Weisung erteilt.


Jagow

1 Dok. 1913-06-06-DE-002.



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