1913-11-28-DE-001
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Quelle: DE/PA-AA/R 14082
Zentraljournal: 1913-A-23668
Erste Internetveröffentlichung: 2017 November
Edition: Armenische Reformen
Telegramm-Abgang: 11/28/1913 07:27 PM
Telegramm-Ankunft: 11/28/1913 08:42 PM
Praesentatsdatum: 11/29/1913 a.m.
Laufende Botschafts/Konsulats-Nummer: Nr. 300
Zustand: A
Letzte Änderung: 11/19/2017


Der Geschäftsträger der Botschaft St. Petersburg (Lucius von Stoedten) das Auswärtige Amt

Telegraphischer Bericht


St. Petersburg, den 28. November 1913

Antwort auf Telegramm Nr. 223 und 224.

Herr Sazonow bittet Eurere Exzellenz dringend darum, Entscheidung über die eminent politische Frage der Residenz des Generals nicht diesem selbst zu überlassen, sondern dieselbe mit Seiner Majestät zu treffen. Er könne nur wiederholen, daß es viele Wege gebe, um auf die berechtigten russischen Wünsche einigermaßen einzugehen "et de ne pas nous blesser sérieusement". Rußland würde eventuell gezwungen werden, seine Beziehungen mit der Türkei gründlich zu revidieren. Die Tatsache, daß der General in Konstantinopel ein Armeekorps kommandiere, mache ihn bei jeder Gelegenheit zum Herrn der Situation "qui devient ainsi intolérable". Die Franzosen seien ganz seiner Ansicht, von London habe er noch keine Antwort. Graf Benckendorff, der augenblicklich hier ist, wäre jedenfalls vollkommen überrascht gewesen. Der Minister gab noch nicht alle Hoffnung auf, daß Euere Exzellenz auf seine dringenden Bitten eingehen würde. Wenn dem General die Entscheidung überlassen würde, sei es garnicht zweifelhaft, daß sich derselbe aus Bequemlichkeit und anderen Rücksichten für Konstantinopel aussprechen würde. Ob uns denn so wenig an der Freundschaft Rußlands läge, das auch als Absatzgebiet für uns viel wichtiger sei, als die ganze Türkei. Es handele sich doch für uns hierbei nicht um eine Prestigefrage. Er erinnere daran, daß England der Türkei seinerzeit für Armenien die Entsendung von Gendarmen versprochen habe. Rußland habe gebeten, dies zu unterlassen, da ihm die Anwesenheit derselben in Armenien nicht angenehm sei. England habe dem russischen Wunsche dann entsprochen, ohne daß sein Prestige im geringsten gelitten habe. Von uns erbitte er viel weniger. Adrianopel sei nur wenige Stunden von Konstantinopel entfernt usw. In der Presse und Duma würde die Sache immer lebhafter besprochen. Er wisse nicht mehr, was er auf Anfragen antworten solle.

Werde Kokowzow das Schreiben Euerer Exzellenz morgen übergeben und auch mit ihm auftragsgemäß sprechen.


[Lucius]



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